Dienstag, 27. November 2012

"So it goes" von Michael Tucker


Humorvolle Trauerarbeit wäre wohl die Kernaussage, auf die ich den Plot von „So it goes“ in zwei Wörtern herunter brechen würde. Der  Tod eines geliebten Menschen ist wohl mit das Schlimmste, was jemandem passieren kann. Auch im Fall von Herbie, eines New Yorker Schauspielers, ist der Verlust seiner Frau Annie (ebenfalls Schauspielerin), mit der er ca. 40 Jahre trotz Trublenzen und gegenseitiger Affären unzertrennlich war, wie der Einschlag eines Meteoriten indem er ein riesiges Loch hinterlässt. Bezeichnend ist die Tatsache, dass Herbie nach Annies Tod wieder mit dem Golfspielen anfängt (das könnte man so interpretieren, dass er – wo er nicht das eine riesige Loch ausfüllen kann – viele kleine Löcher zu füllen versucht).
Wie auch immer: die Liebesgeschichte von Herbie und Annie ist einzigartig. So einzigartig, dass Herbie wenige Tage vor dem Tod seiner Frau eine andere Muse (die 34jährige Olive) findet und sie ihr auf Annies Wunsch hin stolz präsentiert. Die Beziehung des New Yorker Schauspielerpaares wurde schon früher öfters durch eine zweite Frau bereichert, warum auch nicht kurz vor Annies Tod?
Dieses Plot-Element ist so sehr Woody Allen, dass man meint der Altmeister hatte bei der Produktion des Buches entweder seine Finger im Spiel gehabt oder die Filmrechte bereits gekauft (man könnte sich Diane Keaton perfekt in der Rolle der Annie vorstellen – vielleicht ist der Name ja auch eine Hommage an sie, schließlich war sie im „Stadtneurotiker“ schon „Annie Hall“).
Wie auch immer: Annie – Herbie – Olive, so lautet die Dreiecksgeschichte, die zunächst (und im Zuge von Annies Sterben und Tod) geistig-platonisch ist. Herbie und Olive wollen sich aber – trotz erheblichen Altersunterschieds – gegenseitig auch körperlich, so dass erst mal Abstand nötig ist. Herbie fährt in die Südstaaten zum Golfspielen, wo er  mit Billy und deren Schwester Roxanne wieder in eine Dreiecksbeziehung  (halb freundschaftlich, halb erotisch) gerät. Die bildhübsche Olive bekommt währenddessen im Staat New York durch Herbies und Annies Connections eine Rolle in einer internationalen Produktion von  Tschechows „Onkel Wanja“ (das hat mir auch sehr an dem Roman gefallen, denn ich liebe dieses Theaterstück!).
Annies Lebensenergie und ihr Schauspieltalent werden durch Olive quasi transformiert – sie lebt gewissermaßen durch die 34jährige Barfrau weiter. Und so kann auch Herbie – mit Annies Segen – sich überlegen, ob er eine Beziehung zu ihr eingehen will…
Der Roman ist eine Tragikomödie wie sie im Buche steht: subtil, witzig, sentimental und auf ihre Weise sehr amerikanisch. Es geht um Liebe, Tod, Freundschaft und Familie (Herbies und Annies Tochter Candy spielt eine wesentliche Rolle) und natürlich um das Theater.
Das Buch hat mir gut gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der es etwas ruhiger angehen möchte beim Lesen.
Besonders gut hat mir das Bild auf der vorletzten Seite gefallen: Herbie macht sich Gedanken wie wesentlich eine alltägliche Entscheidung werden kann – welche Straße schlägt man ein! Solche Gedanken (nur eine kleine, winzige Veränderung kann so viel nach sich ziehen und das eigene Leben für immer und nachhaltig verändern) mache ich mir auch oft. Trotzdem: man muss sich letztlich entscheiden und es kommt ohnehin so, wie es kommen muss - so it goes!

Vielen herzlichen Dank an vorablesen und den Graf-Verlag für das Leseexemplar!


Meine Ausgabe:
Originaltitel: After Annie
Verlag: Graf Verlag
Erscheinungsjahr der Ausgabe: 2012
Erstausgabe: 2012
Seiten: 
ISBN:  978-3-86220-029-0

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