Dienstag, 11. Juni 2013

"Schatzsuche" von Nora Miedler




Ich liebe ja Frauenromane in denen die Protagonistinnen nicht ganz so perfekt sind und ihre Unzulänglichkeiten und Fettnäpfchenbadereien mit der Leserin großzügig teilen und sie damit in einen wohligen Zustand der Solidarität und Zugehörigkeit zum Kreis der Frauen versetzen, die gerne mal das ein oder andere falsch machen, falsch sehen oder falsch verstehen und dabei aber allzu liebenswert sind. Mit Bridget Jones als Gallionsfigur hat es angefangen und mittlerweile gibt es mit Pipeline Pretorius (aus der Feder von Elisabeth Kabatek) ein deutsches (oder sollte ich besser sagen: schwäbisches) Pendant. Auch Österreich hat jetzt nachgezogen und die Autorin Nora Miedler hat mit Teddy (alias: Thadäa) Kis eine ebenso Namensgeschädigte Protagonistin erschaffen, die aber im Gegensatz zu Pipeline auch noch einen ausladenden Körperbau besitzt. Ähnlich wie diese hat sie auch eine Schwester bei der alles nicht perfekter laufen könnte: sie hat einen Doktortitel in Psychologie (was in Österreich natürlich besonders relevant ist) und sieht so wunderhübsch aus wie eine Frau wie auf einem präraffaelitischen Gemälde. Anders Teddy: sie ist mit 33 Jahren weiter weg von allem was man Selbstbewusstsein, Erfolg und Liebe nennen könnte. Im ersten Buch der Reihe, „Aschenpummel“ (welches ich leider nicht gelesen habe) ist sie noch arbeitslos und Jungfrau, von Ferne verliebt in den Buchhändler von Gegenüber.
Das jetzt vorliegende zweite Buch der Reihe, „Schatzsuche“, beginnt damit dass Teddy bereits seit kurzem in einer Beziehung mit ebendiesem „Piraten“ steckt (der eigentlich Sigi heißt und von ihr seinen Spitznamen bekommen hat weil er eine Augenklappe trägt). Leider hat der Pirat sich noch nicht mit Teddy auf die körperliche Ebene begeben und so versucht sie mit allen Mitteln ihn zu verführen – was natürlich prompt in einem gehörigen Desaster endet! Zu allem Überfluss lädt sie auch noch die Eltern des Piraten aus Versehen zum Abendessen ein und plötzlich steht wie aus heiterem Himmel ein neues Thema auf dem Plan: sie und der Pirat sollen heiraten und zwar so bald wie möglich…
Ich muss sagen zu Anfang war ich sehr begeistert von der Witzigkeit des Buches, manche Szenen und Handlungselemente waren wirklich zum Schreinen und ich habe mich an die besten Fettnäpfchentritte von Bridget Jones und die Absurditäten mit ihrer Familie erinnert gefühlt. Mit der Zeit war aber das erste Feuer leider ein wenig verschossen und die Handlung floss immer unspektakulärer vor sich hin, je näher die Hochzeit rückte. Klar, die Idee mit dem „VorderHochzeittagebuch“ war ganz amüsant, aber das ganze Potential das diese Erzählmöglichkeit hatte wurde meiner Meinung nach nicht ausgeschöpft. Auch der Humorfaktor lässt leider mit der Zeit gehörig nach, so dass zwar ein paar Gags weiterhin durchrieseln, aber alles nicht Lachmuskelnerschütternd. Die Handlung bekommt eher den Charakter einer schlechten Soap als den eines witzigen Frauenromans.
Das Ende und der Aufzug von Teddy zur Hochzeit: okay, aber eben nicht superlustig und auch die letztliche Auflösung warum der „Pirat“ keine Annäherungsversuche gemacht hat: gähn!
Weil mir der Anfang trotzdem so wunderbar gefallen hat gebe ich 3 von 5 Sternen und hoffe dass Nora Miedler ihr Witzpotential noch weiter hochschrauben kann und beim nächsten Buch in kein langweiliges Fahrwasser mehr gerät.

Vielen herzlichen Dank an vorablesen.de  und den Ullstein-Verlag für das Rezensionsexemplar!

Meine Ausgabe:
 
Verlag: Ullstein
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 267
ISBN: 9783548611488

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