Montag, 19. August 2013

"Der Algorithmus der Liebe" von Laurie Frankel

 Das Buch hat einen Aspekt an sich der mir gefallen hat: sein Thema. Es geht um die Verarbeitung der digitalen Möglichkeiten und darum wie sie unser Leben verändern können. Das ist zeitgemäß und längst reif für eine ausführliche erzählerische Behandlung. Am Anfang des Buches gelingt es Laurie Frankel noch das Thema im Vordergrund zu behalten und tatsächlich ein Abbild unser digitalen Zeit mit der Hauptfigur Sam, einem in einem 2.0-Unternehmen erfolgreichen Programmerier, zu erschaffen. Sein Job ist es in einer Agentur für Online-Dating zu programmieren, also Leute zusammenzubringen. Er wohnt im amerikanischen Seattle und ist - bis auf sein besonderes Talent in seinem Job - ein ganz gutaussehender Durschnittstyp & selbst Single. Irgendwann kommt ihm die Idee einen Algorithmus zu schreiben, der es den Usern der Online-Dating-Agentur ermöglicht ihr "perfect match", also den perfekten, für sie eigens errechneten Partner zu finden. Aus diesem Ansatz hätte man sicher ein witziges Buch mit vielen tollen Situationen rund um Online-Dating und Partnersuche und die Abweichung der Errechnten von der realen Person zaubern können. Die Autorin hat sich allerdings anders entschieden. Sie lässt Sam selbst als Versuchsobjekt nach der perfekten Partnerin suchen und sie bereits beim ersten Versuch finden: Meredith, die praktischer Weise im Büro nebenan, der Marketing-Abteilung seiner Firma arbeitet. Sie ist jung, erfolgreich, gutaussehend und es dauert nicht lange bis "Merde" (so nennt er sie scherzhaft) und er ein Paar werden. So weit so schnell. Happy Ends am Anfang eines Buches deuten meist darauf hin dass es nicht so weitergeht. Auch hier nicht. Sam wird gefeuert, weil er die Firma mit dem Algorithmus zwar kurzzeitig reich machen, sie aber letztendlich ruinieren würde (weil, wenn sein Algorithmus zum Einsatz kommt, es bald keine Kunden mehr gibt und jeder einen perfekten Partner hat). Dieses Feuern scheint unlogisch, denn eigentlich würde jede Firma die etwas auf sich hält einen genialen Programmierer behalten und ihm eher mehr bezahlen, damit er weiterhin Gutes für die Firma tut. Nicht so in diesem Buch, Sam wird also - nachdem er in London war und dort die Firma 1a präsentiert hat - gefeuert. Währenddessen stirbt Merediths Großmutter Livvie, zu der sie eine enge Beziehung hatte. Sie ist am Boden zerstört. Um sie aus ihrem Loch zu holen schreibt Sam, der nun viel Zeit hat, einen Algorithmus, der es ermöglicht aus dem digitalen Material (hier Video-Chats und Emails) eine Scheinkommunikation per Computer zu erstellen, bei der es aussieht als würde die verstorbene Person selbst sprechen und Emails verfassen und verschicken. Merediths ist geschockt und wird schnell süchtig nach dem Programm. Zusammen mit Merediths' Cousin Dash kommen die drei auf die Idee, dass das Programm eine gute Geschäftsidee sein könnte und gründen eine Firma, die trotz Negativpresse schnell ein wahrer Kundenmagnet wird. Die Frage, mit der sich der Rest des Buches beschäftigt ist die, ob sie es nicht besser hätten bleiben lassen und "die Toten ruhen lassen" sollen.

Das Buch ist nicht schlecht geschrieben und wie gesagt, auch das Thema hat Potenzial gehabt. Allerdings ist die Art und Weise wie die Geschichte sich entwickelt hat sehr unbefriedigend für mich. Ich mochte den sentimalen Überbau, der kaum durch Humor gebrochen wurde, ganz und gar nicht. Das ganze Buch schreit: traurig, sentimental und nicht witzig (obwohl du es gerne so hättest, du gefühlskalter, unterhaltungssüchtiger Leser). Aber hier macht die triefende Sentimentalität wirklich keinen Sinn, das Thema hätte man anders verarbeiten müssen damit das Buch ein Erfolg wird. Auch sind die Charaktere nicht sympathisch und tiefgründig genug um daraus beim Leser Kapital schlagen zu können. Sam bleibt ein oberflächliches "Genie" und erst recht Meredith schafft es nicht einen lebendigen oder gar sympathischen Eindruck zu machen. Dafür haben diese Figuren zu wenig Ecken und Kanten, sie sind einfach perfekt und genau das hat mich gestört. Zumindest Dash und die verstorbene Großmutter Livvie haben als Figuren annähernd überzeugt.
Außerdem hat extrem gestört dass zu sehr auf das Schema vom Bestseller "Zwei an einem Tag" von David Nicholls geschielt wurde, der allerdings im Gegensatz zu diesem Roman "echte" Figuren mit dreidimensionalen Charakteren zeichnen konnte und bei dem das Ende wie es war dann auch Sinn gemacht hat. Außerdem hat sich dort die Liebesgeschichte der Hauptfiguren langsam - über Jahre - entwickelt, hier war sie von Anfang an da und langweilig.

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen und bedanke mich hiermit für das Leseexemplar, auch beim Heyne-Verlag.

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