Freitag, 9. August 2013

"Die Rosen von Montevideo" von Carla Federico

 
Und wieder ein Auswandererroman aus dem 19. Jahrhundert! Da ich mit Iny Lorentz' "Das goldene Ufer" ja ganz zufrieden war neulich habe ich mich auch an diese "Saga" herangewagt, die ihrem Namen alle Ehre macht. Drei Generationen einer deutsch-uruguayanischen Familie werden nacheinander erzählt (wobei die Vertreter der ersten Generation auch noch im letzten Abschnitt auftauchen und den Kreis damit schließen) und man hat als Leser tatsächlich das Gefühl dass das alles so formschön ineinandergreift und sich die Schicksale - vor allem natürlich der Frauen - wiederholen bzw. in der Wiederholung abwandeln. Denn es geht vornehmlich um die Frauen - zunächst um Rosa, eine junge Frau aus dem südamerikanischen Uruguay, die aus der gutsituierten Kaufmannsfamilie de la Vegas stammt. Vor dem Schicksal von ihrem Vater in eine geschäftliche Konvenienzehe mit einem älteren Mann gedrängt zu werden rettet sie der junge Frankfurter Kaufmann Albert Gothmann, Erbe des familieneigenen Bankhauses, der ihr die Ehe und damit ein neues gutes Leben in Deutschland in Aussicht stellt. Die de la Vegas nehmen das Angebot an und intensivieren durch die Heirat die kaufmännischen Beziehungen zwischen Frankfurt und dem uruguayanischen Montevideo.
Die unbekümmerte Rosa lebt sich nur langsam in Deutschland ein, wo sie mit den weltmännischen deutschen Salondamen konkurrieren und gegen einen Alltag ohne Inhalt ankämpfen muss. Auch ihre Schwägerin Antoine, die Frau von Alberts Bruder Carl-Theodor, ist ihr dabei keine große Hilfe: überheblich reitet sie sie in die ein oder andere prekäre Situation hinein und selbst als sie gemeinsam schwanger sind avanciert die Schwägerin nicht zur Freundin. Albert ist fast nur noch in Frankfurt, während Rosa im Landhaus im Taunus vor sich hin vegetiert. Einzig ihr neuer Musiklehrer, der Franzose Fabien schenkt ihr etwas Aufmerksamkeit. Eine Tatsache, die Albert plötzlich negativ auffällt - er sieht seine Ehre in Gefahr, es kommt zum Eklat.
Im folgenden Abschnitt wird erzählt wie die Töchter von Albert und Carl-Theodor (Valeria und Claire) um die zwanzig Jahre alt sind, also im selben Alter, wie Rosa war als sie Albert geheiratet hat. Im letzten Abschnitt geht es dann um die Urenkel von Albert und Rosa (ohne zu viel zu verraten) bzw. um die, die aus der ersten Generation noch am Leben sind.
Die Szenerien wechseln zwischen Frankfurt bzw. dem Taunus und Rosas Heimat Montevideo, wobei im mittleren Abschnitt auch Paraguay und Argentinien ins Spiel kommen. Valeria und Claire werden zum Spielball im sogenannten "Tripel-Allianz-Krieg", in dem Paraguay von 1864-1870 gegen die Nachbarstaaten Argentinien, Brasilien und Uruguay führte. Ein Krieg, der das gesellschaftlich-soziale Leben dieser Zeit entscheidend geprägt hat und zum Hass gegen alles Paraguayische in den genannten Ländern geführt hat. Es war interessant etwas über diesen Krieg, der im europäischen Geschichtsunterricht nicht mal am Rande vorkommt, zu erfahren, wobei gerade die Handlung im Mittelteil sich als teilweise schleppend erweist. Hier hätte man ruhig etwas kürzen können, ohne das Erzählkonzept allzu sehr zu zerstören.
Ansonsten hat mir das Buch sehr gut gefallen, die Frauenschicksale kommen in jedem Fall zur Geltung und als historische Familiensaga ist das Ganze wirklich lesenswert. An manchen Stellen wird das Buch etwas trivial, aber bei über 700 Seiten kann man darüber auch hinwegsehen.

Die Gestaltung des Buches gefällt mir wieder ausnehmend gut. Wie schon bei "Das goldene Ufer" wurde hier auch zum 50jährigen Verlagsjubiläum von Knaur mit einer hochwertigen Klappenbroschur gearbeitet, die es einem ermöglicht nach Beendigung der Lektüre den Buchschnitt zuzumachen. Man kann dann dort wo der Schnitt ist ein Zitat aus dem Buch lesen. Sehr schön gemacht!

Meine Ausgabe:
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 774

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