Montag, 17. Februar 2014

"Karfreitagsmord" von Bea Rauenthal (= Kommissare auf Zeitreise, Bd. 2)

 
Obwohl sich die beiden Kommissare Jo Weber und Lutz Jäger eigentlich nach ihrer ersten Zeitreise (ins Mittelalter) im Vorgängerband "Dreikönigsmord" von dem Ereignis erholen, es verarbeiten und sich mit Polizeipsychologen herumschlagen müssten, die ihre Zurechnungsfähigkeit anzweifeln, hadert das Schicksal nicht lange mit ihnen und prompt landen sie wieder gemeinsam in einer längst vergangenen Zeit. Diesesmal ist die Zeit allerdings "nur" ein wenig mehr als 100 Jahre her - sie finden sich im Preußen des 19. Jahrhunderts wieder, nach der Ära Bismarck, während des deutschen Kaiserreichs. Während Jo plötzlich ihre eigene Urahnin ist, die bei ihrer adeligen Großmutter und ihrem seltsamen Onkel lebt und an der äußerst kurzen Leine gehalten wird, muss Lutz sich mit den reaktionären Denkweisen und Ermittlungsverfahren der Polizei des 19. Jahrhunderts herumschlagen. Dass die Leiche, die sie in ihrer eigenen Gegenwart des Jahres 2013 gefunden haben das Opfer eines Serienmörders ist wird für die beiden neuzeitlich ausgebildeten Beamten schnell klar. Mit Hilfe eines damals fortschrittlichen Psychologen, der bei dem noch unbekannten Wiener Sigmund Freud studiert hat, soll das psychologische Profil des Täters aufgedeckt und so seine Identität ermittelt werden. So leicht so wunderbar, wäre da nicht die Gefahr dass Jo selbst ein potentielles Opfer des gestörten Täters werden könnte... Ich muss sagen dieser zweite Band der Reihe um die "Zeitreise-Kommissare" hat mir genauso viel Spaß gemacht wie der erste Teil. Die Idee der zeitreisenden Ermittler trägt auch diesen Band und das biedermeierlich-wilhelminische Setting ist perfekt geeignet um einen Fall drumherum zu bauen. Auch die Verdächtigenanzahl ist ähnlich überschaubar und man kann das Geschehen als Leser immer perfekt überblicken. Dass hier mit so unterschiedlichen Milieus gespielt wird wie dem geadelten Bürgertum, der Arbeiterschaft zu Beginn der Industrialisierung und der akademischen Intelligenz, die sich gegen das reaktionäre Gegdankengut ihrer Zeit durchsetzen will ist äußerst interessant. Auch der Gedanke dass Lutz und Jo auf Personen treffen, die sie reinkarniert wähnen und aus ihrer Zeit im Mittelalter vermeintich kennen ist gut und gibt dem großen Ganzen einen kontinuierlichen Zusammenhang. Auch die ständige Spannung und Interaktion zwischen den beiden Protagonisten finde ich sehr prickelnd. Wie sich der Fall entwickelt war ziemlich überraschend und zeitweise auch erschreckend (ich sag nur: Sanatorium). Weil ich den ersten Band dennoch von der Atmosphäre etwas authentischer und in sich stimmiger fand - vielleicht auch weil die Situation neu - war, gebe ich 4 statt 5 Sterne.

Vielen Dank an vorablesen.de und den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar!

Meine Ausgabe: 
Verlag: Ullstein
Seiten: 352
ISBN: 9783548611839
Erscheinungsjahr: 2014

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