Montag, 13. August 2012

"Too Bad to be God" von Kristina Lohfeldt


Die nachfolgende Rezension habe ich für „Wir Lesen“ verfasst, wo ich mich auch recht herzlich für das Rezensionsexemplar bedanken möchte.

Klappentext:

„Götter sind auch nur Menschen. Und deshalb müssen sie sich in unserer schnelllebigen Zeit weiterbilden, um den Anschluss an ihre Gläubigen nicht zu verpassen. Dass ausgerechnet ein so beschaulicher, die Außenwelt hartnäckig ignorierender Ort wie Dingenskirchen eine GHS (Gotthochschule) aufbaut, ist nicht nur dem Marketing-Talent von Ligiosa Mantisre geschuldet. Auch die religiöse Affinität des Ortsnamens mag dafür ein Grund sein. Das Klassenziel aber heißt: Möge der Kampf um die Gläubigen beginnen! Einfach göttlich, wie in zehn GHS-„Kursen“ liebenswert-skurrile Götter und andere höhere Entitäten die Schulbank drücken. In ihrer Kurzgeschichten-Sammlung verbindet Kristina Lohfeldt humoristische Fantasy mit dem ganz alltäglichen Wahnsinn des Aufeinandertreffens von Mensch und Mythos.“

Dieses Buch ist außergewöhnlich und doch reiht es sich ein in die Tradition der verrückten, lustigen, satirischen und metatextuellen „funny Fantasy“ von Terry Pratchett und Jasper Fforde (vielleicht merkt man auch dein bisschen den Einfluss von Walter Moers). Beim Lesen des Buches spürt man, dass es mit viel Schreibfreude entstanden ist. Die Autorin liebt Wortspielereien, Abschweifungen und Assoziationsketten, sie spielt mit Wissen und kulturellen Referenzen, das sieht man schon an ihrer Vorliebe für Fußnoten, vor denen in diesem Buch am Anfang gewarnt wird.

Worum geht es? Die Antwort ist so einfach wie schwierig: es geht eigentlich um alles, das Universum, die Götter, die Menschen und den ganzen Rest. Mehr ist hier mehr. Die meisten Religionen, Mythologien und Glaubensrichtungen (insofern ich das beurteilen kann) kommen durch Vertreter zu Wort und jeder hat natürlich die Wahrheit gepachtet. Das führt zu philosophischen Disputen und humorvollen Situationen unter den „Schülern“ der GHS. So gibt es auch keine „Handlung“ im konservativen Sinne sondern viele Episoden, die unter der Schirmherrschaft von 10 Unterthemen (Lektionen) zusammengefasst wurden. Da müssen sich dann zum Beispiel Göttinnen mit der Emanzipation und gängigen Frauenbildern auseinandersetzen oder als göttliche Regisseure dem Leben mehr Dramatik nach Vorbild des Theaters verschaffen. Natürlich haben die Götter auch mal „Wandertag“ und machen Ausflüge, die unter dem Etikett Studienreise stehen und allerlei skurrile Situationen hervorrufen. Auch tierische Vertreter aus Mythos und Religionsgeschichte kommen als „Tiergötter“ zu ihrer Lektion und „Herr Pille“, der als Mistkäfer hofft ein Dasein als heiliger Skarabäus zu erreichen, führt als roter Faden durch die Handlung.

Ich muss sagen ich bin schon ein wenig durcheinandergekommen: wer spricht jetzt hier, von welcher mythologischen Figur, von welcher Religion ist jetzt die Rede? Gut dass ich mein „Lexikon antiker Mythen und Gestalten“ beim Lesen griffbereit hatte, auch ein Religionskompendium hätte sicher nicht geschadet. Aber auch wenn man nicht alles versteht: es wird ja fast alles erklärt und in einen (höheren) Zusammenhang gebracht, schließlich geht es ja hier darum das bunte Treiben ähm also ich meine den Unterricht an einer Gotteshochschule zu illustrieren: alles pädagogisch wertvoll – für Götter und Leser gleichermaßen.

Die Autorin stellt schon ganz am Anfang klar dass hier nicht moralisiert oder die eine Religion gegen die andere ausgespielt werden soll. Auch über Gläubige wird sich nicht lustig gemacht – im Gegenteil! Die allgemeine Botschaft, wenn denn eine solche unter all der Kakophonie der sakrosankt-allmächtigen Stimmen überhaupt herauszuhören ist: ein bisschen mehr Toleranz bitte und: Menschlichkeit – im Guten Sinne des Wortes (dass Menschen nicht immer menschlich sind kommt durchaus im Buch zum Tragen). Zu guter Letzt: Humor, der einschließt sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen. Ein bisschen mehr von diesen drei Tugenden täte uns allen gut, ob wir jetzt Gott oder Mensch sind.

Fazit: Derjenige der intertextuelle und metakulturelle Querverweise liebt wird dieses Buch lieben. Es ist ein Sammelsurium an mythologisch-religiösen Referenzen mit dem Zweck beim Leser die Lachmuskeln und das Gehirn in Einklang zu bringen. Und über allem steht natürlich die Frage: „Und was glauben Sie, meine Damen und Herren?“ (S. 292)

Meine Ausgabe:
 
Erscheinungsjahr: 2012
Seiten: 369
ISBN:  3940928097

Kommentare:

  1. Schöne Rezension :)
    Hat ja diesmal gut geklappt mit den Absätzen^^

    Ich hab erst kürzlich die Funny Fantasy für mich entdeckt und bin ziemlich entzückt :D Da kann ich Fantastik AG* schwer empfehlen. Momentan lese ich eh gerade die Stadt der Träumenden Bücher von Walter Moers. Dieses Werk werde ich mir auch gleich auf die Liste setzen, war mir unbekannt.

    Lg Misty

    *Link zur Rezension http://friedhofdervergessenenbuecher.blogspot.co.at/2012/07/fantastik-ag-rezension.html

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  2. Superschöner Blog, den du hier hast! :) Ich folge dir dann ab jetzt mal *lach* :D
    Und tolle Rezi, kenne das Buch nicht aber nun bin ich neugierig! :D
    LG
    Livi
    http://livis-lines.blogspot.de

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