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Dienstag, 26. November 2013

"Der Fluch des Sündenbuchs" von Beate Maly


Wer "Das Sündenbuch" gelesen hat musste ein Buch verlassen, bei dem der Vorhang zu und alle Fragen offen waren. 1618: Jana Jeschek, die junge Apothekerin aus Prag und ihr Begleiter, der Wiener Arzt Conrad Pfeiffer sind mit Amulett und "Sündenbuch" (das eine Schatzkarte beinhaltet) geflohen, die Schergen der katholischen Kirche dicht auf den Fersen. Glücklicherweise hat Beate Maly den Vorhang jetzt wieder geöffnet und lässt uns im zweiten Teil der Geschichte am weiteren Schicksal der Protagonisten teilhaben. Auch ein neuer Erzählstrang wird eröffnet, der uns zunächst nach England, in den Tower von London, führt wo Sir Walter Raleigh, der ehemalige "Pirat" und Günstling der Königin Elisabeth I., unter ihrem Nachfolger auf seine Hinrichtung wartet. Kurz zuvor möchte er seinem (inoffiziellen) Schwiegersohn (dem Mann seiner unehelichen Tochter Julia) ein Vermächtnis mit auf den Weg geben, das der Versorgung seiner Familie dienen soll: Die Abschrift der Schatzkarte von "El Dorado" - jener Karte, die im Original im Besitz von Jana ist (was natürlich weder Raleigh noch sein Schwiegersohn Richard wissen). Auch Jana und Conrad, die mittlerweile ein Paar sind, wollen den legendären Schatz finden. Von Gran Canaria aus brechen sie in die "Neue Welt" auf, mit einem Schiff, das auch Sklaven nach Amerika transportiert. Wegen der unwürdigen Bedingungen gerät der humanistisch gebildete und dem Hippokratischen Eid verpflichtete Arzt Conrad mit dem eigentlichen Schiffsarzt aneinander...Dieser Streit und die Strapazen der Überfahrt machen Jana zu schaffen... Kurz vor der Ankunft auf dem anderen Teil der Erde überfallen Piraten das Schiff und für Jana und Conrad geht die Reise plötzlich anders weiter, als sie sich das vorgestellt hatten.

Auch Richard ist mit Tom, dem irischen Diener seiner Frau Julia, auf einem anderen Schiff auf dem Weg nach Südamerika. Während Richard dem Alkohol hinterherweint versucht Tom sich nützlich zu machen und ihr gemeinsames Reisegeld beieinander zu halten. In der "Neuen Welt" angekommen bekommen die beiden plötzlich eine Mitreisende und mit ihr eine ganz neue Möglichkeit ihr Ziel zu erreichen...

Ich muss sagen obwohl ich den Vorgängerroman gelesen habe, habe ich außer den beiden Protagonisten Jana und Conrad und der Grundhandlung nichts wiedergefunden was mich an diesen erinnert hätte. Während im ersten Buch noch die Konfessionsproblematik, Janas emanzipierte Situation als Apothekerin und das Geheimnis ihres Vaters im Vordergrund standen sind jetzt ganz andere Konflikt- und Themenfelder vorhanden: der Entdeckergeist der Frühen Neuzeit, Piraterie, Seefahrt, Ethnologie, Sklaverie und Missionierung geben sich nun die Klinke in die Hand. Das ist an sich alles zu einem interessanten Roman verknüpft, nur leider hat er eben nur noch wenig mit dem ersten Teil gemeinsam. Es geht auch mehr um die einzelnen Individuen und ihre Geschichten - Assante, Tica, Tom, Richard und natürlich im Zentrum Jana und Conrad - sie alle haben ein spezielles Schicksal und für sie alle ist "El Dorado" auch eher das Sinnbild für das, was man im Leben sucht, also ist das Buch eine einzige Analogie für diese Suche. Wer sich also einen spannenden Verfolgungsroman im historischen Setting erhofft - was ja im ersten Teil angelegt und auch durchgezogen wurde - den muss ich insofern enttäuschen als die Schatzsuche und das titelgebende "Sündenbuch" an sich nicht mehr im Vordergrund stehen. Es ist wirklich mehr das Entdecken einer neuen Welt und die gleichzeitige Ich-Findung der handelnden Figuren, was dieser Roman zu bieten hat. Auch für alle, die sich für die geschichtliche Darstellung von den oben angesprochenen Themen interessieren ist der Roman mehr als lesenswert.

Die Beschreibung der Überfahrt in die "Neue Welt" ist für meinen Geschmack etwas zu dramatisch und ausufernd (leider war das Ufer zunächst nicht in Sicht) ausgefallen. Ich hätte mir auch insgesamt etwas mehr Spannung in Hinblick auf die eigentliche Schatzsuche und vielleicht etwas mehr Symbolismus und Enträtselung gewünscht (das ist nur auf ein paar wenigen Seiten gegen Ende der Fall).

Ansonsten bin ich froh so viel über die südamerikanische Kultur des frühen 17. Jahrhunderts gelernt zu haben.

Fazit: Ein gutes Buch, der erste Teil der Reihe hat mich allerdings etwas mehr begeistert.

Vielen herzlichen Dank an vorablesen.de und den Ullstein-Verlag für das Leseexemplar!

Meine Ausgabe:
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 458
ISBN: 978-3-548-28465-1

Freitag, 9. August 2013

"Die Rosen von Montevideo" von Carla Federico

 
Und wieder ein Auswandererroman aus dem 19. Jahrhundert! Da ich mit Iny Lorentz' "Das goldene Ufer" ja ganz zufrieden war neulich habe ich mich auch an diese "Saga" herangewagt, die ihrem Namen alle Ehre macht. Drei Generationen einer deutsch-uruguayanischen Familie werden nacheinander erzählt (wobei die Vertreter der ersten Generation auch noch im letzten Abschnitt auftauchen und den Kreis damit schließen) und man hat als Leser tatsächlich das Gefühl dass das alles so formschön ineinandergreift und sich die Schicksale - vor allem natürlich der Frauen - wiederholen bzw. in der Wiederholung abwandeln. Denn es geht vornehmlich um die Frauen - zunächst um Rosa, eine junge Frau aus dem südamerikanischen Uruguay, die aus der gutsituierten Kaufmannsfamilie de la Vegas stammt. Vor dem Schicksal von ihrem Vater in eine geschäftliche Konvenienzehe mit einem älteren Mann gedrängt zu werden rettet sie der junge Frankfurter Kaufmann Albert Gothmann, Erbe des familieneigenen Bankhauses, der ihr die Ehe und damit ein neues gutes Leben in Deutschland in Aussicht stellt. Die de la Vegas nehmen das Angebot an und intensivieren durch die Heirat die kaufmännischen Beziehungen zwischen Frankfurt und dem uruguayanischen Montevideo.
Die unbekümmerte Rosa lebt sich nur langsam in Deutschland ein, wo sie mit den weltmännischen deutschen Salondamen konkurrieren und gegen einen Alltag ohne Inhalt ankämpfen muss. Auch ihre Schwägerin Antoine, die Frau von Alberts Bruder Carl-Theodor, ist ihr dabei keine große Hilfe: überheblich reitet sie sie in die ein oder andere prekäre Situation hinein und selbst als sie gemeinsam schwanger sind avanciert die Schwägerin nicht zur Freundin. Albert ist fast nur noch in Frankfurt, während Rosa im Landhaus im Taunus vor sich hin vegetiert. Einzig ihr neuer Musiklehrer, der Franzose Fabien schenkt ihr etwas Aufmerksamkeit. Eine Tatsache, die Albert plötzlich negativ auffällt - er sieht seine Ehre in Gefahr, es kommt zum Eklat.
Im folgenden Abschnitt wird erzählt wie die Töchter von Albert und Carl-Theodor (Valeria und Claire) um die zwanzig Jahre alt sind, also im selben Alter, wie Rosa war als sie Albert geheiratet hat. Im letzten Abschnitt geht es dann um die Urenkel von Albert und Rosa (ohne zu viel zu verraten) bzw. um die, die aus der ersten Generation noch am Leben sind.
Die Szenerien wechseln zwischen Frankfurt bzw. dem Taunus und Rosas Heimat Montevideo, wobei im mittleren Abschnitt auch Paraguay und Argentinien ins Spiel kommen. Valeria und Claire werden zum Spielball im sogenannten "Tripel-Allianz-Krieg", in dem Paraguay von 1864-1870 gegen die Nachbarstaaten Argentinien, Brasilien und Uruguay führte. Ein Krieg, der das gesellschaftlich-soziale Leben dieser Zeit entscheidend geprägt hat und zum Hass gegen alles Paraguayische in den genannten Ländern geführt hat. Es war interessant etwas über diesen Krieg, der im europäischen Geschichtsunterricht nicht mal am Rande vorkommt, zu erfahren, wobei gerade die Handlung im Mittelteil sich als teilweise schleppend erweist. Hier hätte man ruhig etwas kürzen können, ohne das Erzählkonzept allzu sehr zu zerstören.
Ansonsten hat mir das Buch sehr gut gefallen, die Frauenschicksale kommen in jedem Fall zur Geltung und als historische Familiensaga ist das Ganze wirklich lesenswert. An manchen Stellen wird das Buch etwas trivial, aber bei über 700 Seiten kann man darüber auch hinwegsehen.

Die Gestaltung des Buches gefällt mir wieder ausnehmend gut. Wie schon bei "Das goldene Ufer" wurde hier auch zum 50jährigen Verlagsjubiläum von Knaur mit einer hochwertigen Klappenbroschur gearbeitet, die es einem ermöglicht nach Beendigung der Lektüre den Buchschnitt zuzumachen. Man kann dann dort wo der Schnitt ist ein Zitat aus dem Buch lesen. Sehr schön gemacht!

Meine Ausgabe:
Erscheinungsjahr: 2013
Seiten: 774