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Donnerstag, 26. Dezember 2024

"A Bookboyfriend for Christmas" von Freya Miles

Zu wenig "Book", zuviel "Boyfriend"

Von einem systemtheoretischen Standpunkt aus dekonstruiert dieses hoch interessante literarische Werk Geschlechterstereotype in direktem Zusammenhang mit saisonalen Bräuchen und sozial-medialer Bibliophilie…O.k. Spaß - “A Bookboyfriend for Christmas” ist einfach nur oberflächlicher Romance-Trash mit einer hübschen Verpackung, die Buchblogger*innen und Büchernerds ansprechen soll. Mit Büchern oder gar Literatur hat dieser Weihnachtsroman so viel zu tun wie der von mir hoch geschätzte Marcel Reich-Ranicki mit Dark Romance.

Die Story ist ziemlich schnell zusammengefasst: Eine 20-jährige Booktokkerin namens Mia, die in New York als Rechtsanwaltsgehilfin lebt und abends Videos über Bookboyfriends dreht, gewinnt bei einem Gewinnspiel auf ihrer Lieblings-App, dass sie über Weihnachten in einer kleinen Buchhandlung eingesperrt wird und dort für drei Tage leben darf. Als es dann soweit ist, sucht ein Schneesturm New York heim und die Inhaberin der Buchhandlung schafft es nicht in die City. Also schickt sie ihren Bruder Nick, der bereits mit Anfang 30 Oberarzt in einem New Yorker Krankenhaus ist, Mia willkommen zu heißen.

Das Buch trieft vor heteronormativer Klischeehaftigkeit - der gutaussehende Teflon-Arzt mit Literatur-Abneigung und schlimmer Kindheit (er musste so schnell groß werden) und einer zerrütteten Beziehungsgeschichte (Spoiler: ihm wurde massiv das Herz gebrochen) trifft auf einsame, aber sexy Aschenputtel-Frau, die ihre Eltern bei einem Unfall verloren hat, Bücher liebt und in einem schrecklichen Brotjob mit Horror-Chef gefangen ist.

Dass Amy in einer Buchhandlung eingeschlossen ist - ihr größter Lebenstraum - ist in Nullkommanix vergessen, als sofort der sexy “Grinch” auftaucht, der sehr schnell ziemlich ungrinchy wird, als er merkt, dass Mia unter ihren Winterklamotten doch echt gutaussehend ist - ungewöhnlich für einen “Büchernerd” (*augenroll*), wie er findet. Der “Enemies to Lovers”-Trope wird extrem schnell abgehandelt, der Spannungsbogen ist flach bzw. kaum vorhanden. Die Charaktere haben so viel Tiefe wie ein Babybecken im Städtischen Schwimmbad. Außerdem hätte ich mir von einem Buch über eine Booktokkerin, das in einer Buchhandlung spielt, ein liebevoll ausgearbeitetes Setting und eine buchige Atmosphäre gewünscht. Und zwar an erster Stelle! Leute, sie ist in einer Buchhandlung über Weihnachten und es wird kaum beschrieben, wie es darin genau aussieht, welche Bücher im Sortiment sind, etc. Spoiler: Selbst das Krankenhaus, in dem die Handlung fast länger stattfindet als im Buchlanden oder die Wohnungen von Mia und Nick, werden ausführlicher beschrieben. Bei dem Trope “Bookboyfriend” wird nicht mal der “Urvater” aller Bookboyfriends, Mr. Darcy, erwähnt. Also nicht mal das? Gibt es in dieser Buchhandlung mitten in New York City etwa keine Ausgabe von “Stolz und Vorurteil”? Oder irgend ein anderes bekanntes Buch bzw. einen Klassiker mit einem schnieken Protagonisten? Auch der Graf von Monte Christo würde einen guten Booklover abgeben! Querverweise? Intertextualität? Hallo? Verstecktes Potenzial. Aber Nick ist auch nicht wirklich ein Mr. Darcy oder Edmond Dantès, sondern ziemlich leicht durchschaubar und seine “Mauer” stürzt schneller ein, als ich Bookboyfriend sagen kann. Von der Protagonistin Mia habe ich mir nur gemerkt, dass sie es offenbar besonders gern mag, wenn Männer sie “auf ihre Hüften nehmen” und sie dann irgendwo hintragen, bevorzugt ein Schlafzimmer. 

Warum habe ich also dieses Buch überhaupt gelesen, wenn ich es wie ein richtig übler Büchergrinch verreiße? Es wurde mir vorgeschlagen, als ich Weihnachtsbücher im Internet recherchiert habe. Ich muss zugeben, das Cover hat es mir ein wenig angetan. Aber der Kaufgrund war die Tatsache, dass es bei einer großen Buchhandelskette eine Alters-Leseempfehlung gab, die ein “Endalter” hatte - und da habe ich mich provoziert gefühlt. Ich bin 42 und das Buch wurde für 18-40-jährige Lesende empfohlen. 18 mag ja aufgrund der Spice-Szenen (gähn!) berechtigt sein, aber darf ich mit 40 etwa keine schlechten Bücher mehr lesen? Fakt ist: Ich sollte es echt nicht mehr tun - ihr wisst ja, verlorene Zeit und so.

Die deutsche Autorin dieses Romans, die unter Pseudonym schreibt, kommt wirklich sympathisch rüber und ich will sie auch nicht in die Pfanne hauen. Aber dies ist eindeutig ein Fall von: Der Inhalt hält nicht, was die Verpackung verspricht. Bei Büchern ist das leider kein Fall für den Verbraucherschutz, aber dafür gibt es ja uns Rezensent*innen, die euch hoffentlich vor Fehlgriffen ins Bücherregal bewahren. In djiesem Sinne: Lest lieber ein weiteres Mal “Stolz und Vorurteil” und liebe Grüße an Mr. Darcy, den einzig wahren “Bookboyfriend”.




Montag, 3. August 2020

"Liebe machen" von Moses Wolff



Eine Verabredung mit dem Moment


Der Münchner Schauspieler, Musiker, Kabarettist, Komiker, Journalist, Filmemacher und Schriftsteller (ich erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Richtigkeit dieser Angaben) ist auch als Autor - wie könnte es bei der akkumulatorischen Berufsbezeichnung anders sein - sehr vielseitig: Vom Oktoberfest-Guide über den satirischen Heimatroman bis zur Krimireihe ist alles dabei. Jetzt hat er sich in seinem neuen Roman "Liebe machen" mit dem ewig alten und doch immer aktuellen Thema der emotionalen Anziehung zwischen zwei Menschen auseinandergesetzt. Aber nicht nur darum geht es in diesem bunten Buch, das den Leser schon durch den Blick auf das Cover in eine gut gelaunte, nostalgische Retro-Stimmung versetzt.

Der Autor nimmt uns mit auf eine Zeitreise durch die Bundesrepublik von 1970 bis in die Gegenwart. Zunächst sind die jungen Hauptfiguren des Romans (und ihr Umfeld) noch Hippies mit langen Haaren, Schlaghosen und Moralvorstellungen, die mit denen ihrer Elterngeneration rein gar nichts mehr zu tun haben. Jimi Hendrix lebt und spielt Gitarre, Brandt ist Bundeskanzler, man trinkt aus Senfgläsern mit Comicbildchen und liest Asterix und kommunistische Pamphlete, um subversiv zu sein. Das etwas konservativere Establishment gibt sich mit Roy-Black-Songs, Uschi Glas und diesem einen Schauspieler, dessen Name dem Protagonisten Götz partout nicht einfallen will (Spoiler: Fritz Wepper heißt er ;-)), zufrieden.

Dagmar aus Köln und Götz aus Hamburg, beide 20, lernen sich auf dem Oktoberfest kennen. Doch nur zwei kurze Momente sind ihnen in all den Jahren vergönnt und sie verlieren sich wieder aus den Augen. Wir als Leser spüren quasi wie die Zeit vergeht - und in Nullkommanichts sind 50 Jahre um. 50 Jahre, in denen in Deutschland und auf der Welt so viel passiert: Kultur- und Sozialgeschichte sowie der Zeitgeist eines halben Jahrhunderts werden uns im informativen Schnelldurchlauf gefiltert präsentiert und erzählerisch verpackt.

Das Buch ist von seiner Struktur her sehr episodisch. Immer wieder wechselt die Perspektive zwischen der von Götz und Dagmar. Mal sind wir in Köln, mal in Hamburg, mal in Griechenland, mal in München, etc. Man kann sich gut vorstellen, dass das Buch in einen Film umgewandelt wird und auch als solcher gut funktionieren würde.

Ist es ein Liebesroman, wenn die Liebenden gerade einmal ein paar Minuten miteinander verbringen und ansonsten getrennter Wege gehen, parallele Leben führen, die sich immer nur fast kreuzen? Ja, denn der kurze Moment der Liebe wiegt in diesem Buch schwerer als der Alltag der Jahrzehnte. Überhaupt ist dieser Roman eine Feier des Präsentistischen, ein “Carpe-diem-Plädoyer” für eine Verabredung mit dem "Hier und Jetzt". “Liebe machen” ist ein Gedankenexperiment, ein an vielen Stellen philosophisches Buch. Der Humor, den ich vom Autor kenne, ist hier eher leise und zwischen den Zeilen präsent. Richtige Schenkelklopfer findet man hier nicht, aber oftmals einige Schmunzler - und das ist auch gut so. Ein sehr gutes, nachdenklich machendes und unterhaltsames Buch!

Herzlichen Dank an Moses Wolff sowie an den Piper Verlag für die Bereitstellung eines Rezensionsexemplars!

Weitere Infos zum Buch (Klick aufs Cover):

https://www.piper.de/buecher/liebe-machen-isbn-978-3-492-30749-9


Sonntag, 19. Juli 2020

"Mit Dir für alle Zeit" von Lisa Grunwald



Paranormale nostalgische Romanze

Die Autorin Lisa Grunwald war mir vor der Lektüre kein Begriff. Mich hat hauptsächlich das wunderschöne nostalgische Cover angesprochen. Reine Liebesgeschichten lese ich nur, wenn sie wirklich vielversprechend klingen und das war hier auch der Fall. Eine Liebe "durch alle Zeiten" verlautbarte eine Pressestimme, das klang ein wenig nach "Outlander". Auch in “Mit dir für alle Zeit” gibt es eine Liebe, die eigentlich nicht sein kann und darf, weil sie die Gesetzmäßigkeiten von Raum und Zeit aus den Angeln hebt.

Die Liebe zwischen Joe und Nora beginnt im Jahr 1937, als der Weichenmechaniker aus Queens am Grand Central Bahnhof in New York die junge Frau aus gutem Hause kennenlernt. Er ist 33, sie 23, alles könnte so schön sein, doch da ist die unverbrüchliche Tatsache, dass Nora eigentlich tot ist. Sie ist 1925 bei einem Subway-Unglück im Grand Central, dem Hauptbahnhof von New York City, ums Leben gekommen und taucht in manchen Jahren an ihrem Todestag im Dezember wieder auf. Ja, Fantasy-Elemente spielen in diese Liebesgeschichte hinein und sollten alle potenziellen Leser außen vor lassen, die mit so etwas nicht klar kommen. Auch ich musste mich auf das Buch einlassen und hinnehmen, dass es eine quasi “magische” Geschichte ist und manche Handlungselemente eben so sind wie sie sind. Wenn man anfängt, die Dinge zu hinterfragen, wird es nämlich problematisch. Also: “willentliche Aussetzung der Ungläubigkeit” (”willing suspension of disbelief”), wie es der englische Dichter Samuel Taylor Coleridge zum Thema unrealistischer Szenen sagte. Es ist schließlich eine Liebesgeschichte, Intention dürfte es also sein, das Herz des Lesers zu berühren. Das hat die Autorin bei mir nur bedingt geschafft. Ich muss sagen, die Geschichte war schon tragisch, aber ich hätte mir noch etwas mehr Intensität und Leidenschaft gewünscht. Die Protagonisten Joe und Nora machen doch viel mit sich selbst aus, hadern mit sich und ihrer Situation oder setzen sich mit ihrer Familie (Joe) oder ihrer Vergangenheit bzw. merkwürdigen Gegenwart (Nora) auseinander. Manchmal leben sie richtig nebeneinander her und ihre innige Verbundenheit kommt nur in sehr wenigen Szenen kurz zum Vorschein.

Auch von der Struktur her habe ich mir diesen Roman ein wenig anders vorgestellt [evtl. Spoiler]. Ich dachte wirklich, dass Nora nur an ihren Todestagen, also einmal im Jahr, auftauchen und dann wieder verschwinden würde. Tatsächlich ist es aber so, dass sie nach ein paar Jahren bereits über ein Jahr mit Joe im Bereich des Terminals zusammenlebt, ohne zu verschwinden. Warum das so ist, erfahren wir zwar mit der Zeit, aber es wird erstmal so hingenommen von den Protagonisten. Ich hätte mir eine größere Zeitspanne gewünscht, in der Nora wirklich nur einmal pro Jahr auftaucht und nur diesen einen Tag bleibt. Erzählt werden nämlich nur die Jahre 1937-1947 (mit einigen Rückblenden in Noras Vergangenheit). Der Autorin hat es aber wohl gereicht, die Problematik des Alterns bei Joe nur anzuschneiden. Es wäre spannend gewesen zu erfahren, wie Nora mit einem z.B. 86-jährigen Joe umgegangen wäre bzw. er mit ihr.

Was thematisch sehr interessant ist, ist das Phänomen "Manhattanhenge", das im Buch eine wichtige Rolle spielt. Jeder, der schon mal einen Sonnenauf- oder -untergang in Manhattan erlebt hat, weiß, wie mystisch und eindrucksvoll sich dieses Erlebnis auf den Betrachter ausnimmt. Von daher fand ich es sehr schön, dass dieses Ereignis, das sich durch das Aufeinandertreffen des Urbanen mit dem Natürlichen speist, einmal in einem Roman gewürdigt wird.

Fazit: Ein ganz netter paranormal-historischer Liebesroman, der aber meines Erachtens noch besser und intensiver hätte sein können.

Herzlichen Dank an den Harper Collins Verlag für das Rezensionsexemplar!


Nähere Infos zum Buch (Klick aufs Cover):


Montag, 13. Januar 2020

"Sweet Sorrow" von David Nicholls


 

"Erste-Liebe-Story" eines Jedermanns

"Ewig Zweiter" ("The Understudy") von David Nicholls ist eins der lustigsten Bücher, die ich je gelesen habe. Also habe ich seinen schriftstellerischen Werdegang weiterverfolgt. "Zwei an einem Tag", das als Bestseller sehr gehyped wurde, hat mir noch ganz gut gefallen, auch wenn es mir stellenweise zu süßlich war.

"Drei auf Reisen" habe ich ausgelassen. Jetzt also "Sweet Sorrow".

Das Thema eines englischen Durchschnittsschülers (mit dem Allerweltsnamen Charlie Lewis, Jahrgang 1979), der nach dem Schulabschluss seiner großen Liebe begegnet und mit ihr in einer Laientheateraufführung von "Romeo und Julia" spielt, klang, als wäre es genau auf Nicholls zugeschnitten. Schließlich ist der Engländer ausgebildeter Schauspieler und hat auch als solcher gearbeitet. Dies merkt man an der Shakespeare-Rezeption, die im Buch allgegenwärtig ist und natürlich an der realitätsnahen Darstellung des Probenprozesses der Schauspieltruppe.

Nicholls ist ein Meister der Romantik des Augenblicks, der leisen Wehmut des Vergangenen und wenn es darum geht, die alltäglichen Niederlagen und kleinen Freuden des Lebens genau zu beschreiben. Fast jeder hat ja irgendwo in seiner Vergangenheit diesen einen Sommer, diese eine - erfüllte oder unerfüllte - große Liebe. Damit und mit seinem "Jedermann-Durchschnitts-Protagonisten" Charlie bietet das Buch ein breites Identifikationspotenzial für eine große Leserschaft.

Der Roman ist aus der Perspektive des älteren Charlie geschrieben, der kurz vor der "unspektakulären" Hochzeit mit seiner Langzeitfreundin steht, die ohne Drama, Strände und weiße Pferde stattfinden soll. Wenn es aber nach der augenzwinkernden Meinung seiner Verlobten Niamh gehen soll, sollte sie - für den gewissen Kick - mit Charlies "Julia", deren “Romeo” er nicht oder nur abseits der Bühne war, stattfinden: Fran Fisher.

Den Hauptteil von “Sweet Sorrow” nimmt also die Rückblende auf den Sommer des Jahres 1997 ein, in dem Charlie aus Zufall auf Fran trifft und trotz Talentfreiheit Mitglied der Schauspieltruppe wird. Die Probleme, die Charlie in seinem Elternhaus, das nach dem Auszug von Mutter und Schwester nur noch eine Wohnung ist, die er mit seinem glücklosen Musiker-Vater teilt, beschäftigen, nehmen auch einen großen Raum der Erzählung ein.

Den feinen und intelligenten Humor von "Ewig Zweiter" fand ich durchaus an einigen Stellen wieder. Das Problem des Buches ist allerdings, dass die Handlung sich im Kreis bzw. um

sich selbst dreht. Meiner Meinung nach könnte man ganze Kapitel streichen, ohne etwas Wesentliches aus Charlie Lewis' wichtigstem Sommer verpasst zu haben. Man hat vor allem ab der Mitte des Buches das Gefühl, die Handlung würde stagnieren. Es wird alles viel zu detailliert beschrieben, Dialoge und Konversationen erscheinen zunehmend redundant. Irgendwann hat jeder verstanden wie sich ein Haufen Jugendlicher in ihrem kurzen Sommer der Freiheit zwischen Schulabschluss und Uni oder Berufsleben aufführt. Man muss es nicht bis ins Kleinste zerkauen wie die Pille auf der Party im Hobbykeller, die Charlie und seine neuen Freunde sich dort teilen.

Das Drama des Buches ist nicht das geniale von Shakespeare, sondern die Tatsache, dass es über 500 Seiten hat. Um aus "Sweet Sorrow" selbst zu zitieren: "Drei Sterne von fünf".

Das Buch habe ich mir selbst gekauft, allerdings von netgalley.de ein Ebook-Rezensionsexemplar erhalten (Adventskalender). Vielen Dank dafür!

Dienstag, 10. Dezember 2019

"Flirting with Fire" von Piper Rayne

(Foto: Forever Ullstein)


Flirting with Klischees und Langeweile

Gewünschtes Ziel: Romantischer Roman für junge Erwachsene mit einem Schuss Erotik.
Man nehme folgende Zutaten: Eine Vergangenheitserinnerung, die sich zur Verklärung eignet. Also in dem Fall die erste richtige Begegnung des schüchternen Mauerblümchens Maddie mit dem gut aussehenden Highschoolschwarm Mauro.
10 Jahre später: Madison wird von ihrer Freundin überredet, an einer Junggesellenversteigerung teilzunehmen und ersteigert wird: Mauro! Doch der erinnert sich - im Gegensatz zu Madison - leider nicht an sie.
Ach ja, er ist mittlerweile ein Feuerwehrmann und macht nebenbei in Immobilien, genau wie Madison hauptberuflich...
Ein Ereignis aus der jüngeren Vergangenheit belastet Mauro sehr, weshalb er sich nicht öffnen kann.
Maddie ist nach wie vor unsicher, gleichzeitig angezogen und abgestoßen und Mauro einfach unverschämt und unverschämt handsome zugleich ("Spoiler": Er sieht aus wie ein Hollywoodstar).

Dieses Buch ist vom Aufbau her jetzt nicht wirklich spannend oder besonders. Unnötig aufgeblasener, langweiliger und teils absurder Plot. Die Charaktere sind relativ flach, die Story absolut vorhersehbar. Ein bisschen "Drama", Liebes-Hin und Her, Missverständnisse - Soaphandlung! Das Buch wird abwechselnd aus der Ich-Perspektive von Madison und Mauro erzählt. Es geht in beider Köpfen viel um Attraktivität und Oberflächlichkeiten. Sie riecht nach Erdbeeren und er nach Zedernholz. Sehr ausgefallen und differenziert - not! Und Mauro sieht ja so perfekt aus, sie ist seiner nicht würdig, etc. Wenn Frauen ihr Aussehen in Bezug auf ihre Chancen bei Männern nach "Dating-Kategorien" bewerten, dann schalte ich gedanklich schon mal ab. Das ist mir echt zu "amerikanisch". Übrigens geht mir auch bei Männern, die das Aussehen von Geschlechtsgenossen nach dem Männlichkeits-Faktor desselben beurteilen, die Hutschnur hoch.
Schwarzweiß-Denken in Kategorien von Männlichkeit und Weiblichkeit ist in diesem Buch stark verankert.
Sie ordert beim ersten Date natürlich eine Gemüseplatte - seiner Ansicht nach "Vogelfutter" - und Weißwein und er fettiges Essen und Bier, das sie natürlich insgeheim auch gern hätte, aber sie ist ja eine Frau und achtet auf ihre Linie. Ach du Schreck, das Klischee geht nicht weg!
Die Erotikszenen sind dann auch mehr als plump und voller Klischees.

Dass es eine Trilogie ("Saving Chicago") werden soll, ahnt man schon, denn Mauros Brüder Cristian (Klischeeberuf: Polizist) und Luca (Klischeeberuf: Rettungssanitäter) scheinen auch sehr gutes "Hottie-Protagonistenmaterial" abzugeben. Zumal Madison auch noch zwei passende Freundinnen hat, Lauren und Vanessa.

Es stimmt schon, ich gehöre nicht (mehr) zur Zielgruppe dieses Romans und es ist auch nicht mein Genre. Da ich das Buch aber geschenkt bekommen habe, wollte ich ihm eine Chance geben. Man sollte ja immer mal wieder über den Tellerrand hinausschauen, auch bei Büchern (fast hätte ich "Literatur" geschrieben). Für dieses Buch hat es bei mir leider nicht funktioniert. Dennoch 2 Sterne, einer für das Cover und einer, weil im Buch ein süßer Hundewelpe vorkommt.


Dankeschön an netgalley und Forver Ullstein für das Rezensionsexemplar!
Nähere Infos zum Buch: Link