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Montag, 24. November 2025

"Mord im Planetarium" von Beate Maly

 


Anton und Ernestine schauen in die Sterne


Vorab: “Mord im Planetarium”, erschienen im November 2025, ist eigentlich der zehnte Fall der Reihe um Anton und Ernestine, die im Wien der 1920er Jahre gemeinsam Kriminalfälle lösen. Tatsächlich ist aber im September 2025 ein Weihnachtsbuch mit den beiden erschienen: “Advent im Grandhotel”, die “Geschichte” spielt im Dezember 1926. Leider habe ich diesen Band übersehen, aber in ihm passieren einige Dinge, auf die in “Mord im Planetarium” referenziert wird. Zu meiner Verständnisproblematik, was die Chronologie der Bände betrifft, weiter unten mehr.


Sommer 1927. Ernestine hat Karten für die Eröffnung des ersten Planetariums Österreichs ergattert. Natürlich muss die ganze Familie mit, bis auf Julian, den Sohn von Heide und Erich, der von einer Freundin der Familie betreut wird. Bei der Eröffnungsfeier gibt es einen Familienstreit zwischen zwei Brüdern - der eine Arzt, der andere Chef der familieneigenen Stofffabrik. Der Arzt wird von seinem Bruder niedergeschlagen und bei der Vorführung im Planetarium fällt er plötzli htot um. Wer hat den angesehenen Arzt und Vater einer erwachsenen Tochter, die in der Stofffabrik des Bruders arbeitet, umgebracht?


Dieser Band ist weitaus ernster als die anderen Bände der Reihe. Anton isst nicht dauernd süße Köstlichkeiten und die humorige Stimmung abseits des eigentlichen Kriminalfalls hält sich auch ansonsten in Grenzen. In Wien gibt es Unruhen anlässlich des “Schattendorfprozesses”, die politischen Lager verhärten sich und schließlich gibt es eine gewaltsame Ausschreitung mit zahlreichen Opfern und der Justizpalast brennt. Die Rahmenbedingungen der fiktiven Kriminalhandlung sind alles andere als “cosy”. Auch Ernestine wirkt sehr nachdenklich in diesem Band. Sie ist weitaus weniger optimistisch gestimmt als sonst. Sie hat Angst um ihre erst im fortgeschrittenen Alter gefundene Familie. Im Zuge dessen denkt sie über ihre vom “Lehrerzölibat” geprägte Vergangenheit nach, welches sie daran gehindert hat, eine eigene Familie zu gründen. Das passt sehr gut zu der ganzen Rahmensituation, in der wir uns befinden. Die über allem wabernde Stimmung ist äußerst melancholisch.


Was mich persönlich sehr berührt hat, ist, dass eine der Figuren aus der Krimihandlung eine Krankheit hat, unter der auch meine Oma leidet: Trigeminusneuralgie. Ich fand es toll und überfällig, dass diese äußerst schmerzhafte Krankheit, die kaum jemand zu kennen scheint, mal in einem literarischen Werk Erwähnung findet.


Ich habe nur ein klitzekleines Logikproblem und das betrifft das Alter von Julian, dem Sohn von Heide und Erich. “Mord im Böhmischen Prater” spielte im Herbst 2025 und da war Hilde hochschwanger und es wurde gesagt, sie würde im “Jänner” entbinden, was dann Januar 1926 wäre. Jetzt spielt die Handlung aber im Sommer 1927 und das Baby, so wird es gesagt, wäre seit “Jänner” da. Dann wäre es ca. sieben Monate und es passt auch dazu, dass eben noch gestillt wird und trotzdem versucht wird, den Jungen an Beikost zu gewöhnen. Ebenfalls wird oft thematisiert, wie müde Erich und Hilde sind, weil sie ein Baby zu Hause haben, das noch nicht durchschläft. Problem: Das Buch spielt im Sommer 1927 und da müsste das Baby schon eineinhalb und damit kein Baby mehr sein. Entweder ich übersehe grundlegend etwas, oder hier hat sich tatsächlich ein kleiner zeitlicher Fehler eingeschlichen. Vielleicht können mich Beate Maly selbst oder der Emons Verlag aufklären. Ich wäre euch sehr zu Dank verpflichtet. 


Ansonsten war die Krimihandlung wieder gewohnt spannend, diesmal sehr Agatha-Christie-mäßig auf einen kleinen Personenkreis von Verdächtigen ausgelegt, in dem schon eine gewaltige Prise “Soap-Potenzial” steckt. Aber das ist keinesfalls negativ gemeint, es war sehr unterhaltsam. Tatsächlich kam der Fall an sich diesmal eher unterhaltsam-cosy-krimi-mäßig rüber, wohingegen die Umstände in der Rahmenhandlung die Ernsthaftigkeit geliefert haben. Ich hoffe ihr versteht, wie ich das meine. Sonst ist es in der Regel bei dieser Reihe umgekehrt.


Ich muss natürlich unbedingt jetzt noch den Weihnachtsband von Anton und Ernestine lesen - dann bin ich endlich up to date und kann sehnsüchtig auf den nächsten Fall warten. 


Herzlichen Dank an den emons Verlag für das Rezensionsexemplar!




Mittwoch, 29. Januar 2020

"Tod in Baden" von Beate Maly



Anton und Ernestine auf Kur - ein Hochgenuss!



Mit "Tod am Semmering" hat damals alles begonnen: Beate Maly hat mit Ernestine Kirsch und Anton Böck ein hoch sympathisches Ermittlerpaar erschaffen, das seinesgleichen sucht. Ich habe mich einfach Hals über Kopf verliebt in die Figuren und die ganze Buchreihe, die im Wien (und Umgebung) der 1920er Jahre spielt. Maly gelingt es auf ganz besondere Weise, ihre Figuren schriftlich zum Leben zu erwecken. Sie sind einfach lebendig und strahlen eine Authentizität aus, die mir oft fehlt in anderen Büchern.

Darüberhinaus hat die Autorin als gebürtige Wienerin eine bestechende Ortskenntnis. Durch gute Recherchearbeit hat sie es geschafft, dass das Wien um 1920 absolut glaubhaft rüberkommt, mit seinen verschiedenen schönen und weniger schönen Gesichtern. Die Kriegsversehrten aus dem 1. Weltkrieg sind ein großes Thema, die Schere zwischen Arm und Reich (Industrielle und Kriegsgewinnler vs. Arbeiterschicht), Luxusdenken vs. Überlebenskampf, Kulturbeflissenheit vs. Armenalltag.

Anton als Apotheker und Ernestine als pensionierte Lehrerin gehören eher der Mittelschicht an und bewegen sich u.a. durch Ernestines Zubrot als Nachhilfelehrerin in den unterschiedlichsten sozialen Kreisen. So kommen sie in "Tod in Baden" auch in den Genuss einer Kur im noblen Kurort der Wiener High Society. Auch hier passiert - wie immer wenn die beiden verreisen oder zusammen etwas unternehmen - ein Mord. Und wie immer überredet Ernestine den zurückhaltenden Anton dazu, die "Ermittlungen" aufzunehmen.

Diesmal kommt Antons (der wie immer ganz entzückend ist mit seiner Vorliebe für gutes Essen und seine Ruhe) Fußballbegeisterung zum Tragen, denn ein berühmter Spieler von Rapid Wien ist mit auf ihnen auf Kur…

Wieder einmal ist das Personalkarussell, das Beate Maly hier versammelt, ganz wunderbar arrangiert. Viele Verdächtige mit unterschiedlichen Motiven und eine fulminante Auflösung direkt am Ende, die auch einer Miss Marple würdig gewesen wäre.

Auch skurrile und humorvolle Situationen kommen wie immer nicht zu kurz. Unterstützt wird dies durch die dezente Verwendung des Wiener Dialekts und die liebevolle Dynamik zwischen Anton und Ernestine.

Das Cover des Krimis, der im Emons Verlag erschienen ist, wurde wieder einmal wunderbar mit - diesmal in Gold gehaltenen - Jugendstil-Ranken illustriert.

Ich kann nur hoffen, das es noch viele Fälle gibt, die Anton und Ernestine bearbeiten werden! Aber ich bin auch ein echter Fan.

Nähere Infos zum Buch: hier
Homepage von Beate Maly: hier

Persönliche Anmerkung:

Letztes Jahr hatte ich die Möglichkeit, Beate Maly auf der LitLove in München zu treffen. Sie ist wirklich eine äußerst sympathische Autorin, die sich viel Zeit für ihre Leser nimmt. Die Lesung von "Lottes Träume" war toll und hat neugierig gemacht auf das Buch und seine Hintergünde. Außerdem signiert sie ihre Werke so wunderschön und persönlich, wie ich es vorher noch nie gesehen habe. Ich hoffe dass ich mal wieder die Gelegenheit haben werde, auf eine ihrer Lesungen zu gehen, vielleicht sogar in ihrer Heimatstadt Wien.


Mittwoch, 23. Mai 2012

"Vino Rosso" von Roswitha Wildgans



 Wenn ich verreise nehme ich am liebsten ein Buch mit in den Urlaub, das einen Bezug zu dem Ort hat, an dem ich temporär verweile. Auch letzte Woche hat sich das so ergeben, denn ich war für ein paar Tage am Gardasee, genauer gesagt in Limone sul Garda, dem Ort wo die Zitronen blühen. Glücklicherweise habe ich im Vorfeld ein Buch gefunden das in Limone spielt und durch die Münchner Hauptfigur auch noch einen Bezug zu meiner Heimatstadt hat.
Es handelt sich wieder mal um einen Krimi, eigentlich sogar um einen Regionalkrimi, denn die Handlung spielt ausschließlich am Gardasee, in den Orten Limone und Malcesine. Auch andere bekannte Urlaubsorte rund um den Gardasee wie Torbole, Sirmione, Bardolino, Garda, Riva und Salò werden erwähnt, so dass ein jeder der schon einmal das Glück hatte dort zu sein die Handlung geografisch genau verorten kann.
Zur Handlung: Rosi Holzwurm ist eine ehemalige Münchner Rechtsanwaltsgehilfin, die ihrer Heimat vor drei Monaten den Rücken gekehrt hat um ein neues Leben als Inhaberin einer Putzagentur (mit bisher nur einer Mitarbeiterin, nämlich ihr) im Ferienort Limone sul Garda zu beginnen. Bei einem Urlaub im September des Vorjahres hatte sie sich dort in den Gastronomen Antonio verliebt, der ihr einige unvergessliche Nächte in einem Boot auf dem Gardasee beschert hatte. Der Kontrast zu ihrem verstockten urbayerischen Verlobten Leopold und die Sehnsucht nach Antonio war so groß, dass sie kurzerhand beschloss in die Nähe ihres Geliebten, der zu allem Überfluss verheiratet ist, zu ziehen.
Zu Beginn des Krimis lernen wir eine Rosi Holzwurm kennen, die die Vorzüge ihrer neuen Heimat (Sonne, See & dolce vita) sowie die ausgiebigen Mahlzeiten mit ihrer Vermieterin Signora Bruna genießt sowie den ein oder anderen Spritz im Ristorante ihres Lovers Antonio oder der Bar von Fabio. Außerdem hat sie vier gutsituierte private Klienten, die sich als Ausgleich zu ihrem stressigen Münchner Leben eine Ferienwohnung am Gardasee leisten können. Dort putzt sie gründlich um danach die Vorzüge von deren Wohnungen (große Küche, Bibliothek, Musiksammlung Whirlpool, Fitnessgeräte) in vollen Zügen zu genießen. Dies ist aber nie penetrant, denn als Gegenzug erweist sie den Besitzern auch eine kleine Gefälligkeit. Man merkt: Rosi Holzwurm ist eine unorthodoxe Lebemännin, die einem schnell sympathisch ist.
Ihr Neukunde Otto Simon, ein Weinhändler aus München, hat eine alte Bratsche in Besitz, die vom Geigenbauer Gasparo da Salò (es gab ihn wirklich, seine Lebensdaten sind 1540-1609) stammen soll. Durch das Auftauchen des Instruments wird die eigentliche Krimihandlung in Gang gesetzt. Otto Simon verschwindet, Rosi bekommt merkwürdige Anrufe von dessen Hausmeister. Was haben ihre Klienten Dr. König, ein bekannter Musikkritiker und eine Herzspezialistin aus München, die auffällig viele Bratschen-CDs zu Hause hat, damit zu tun? Warum wird Rosi von diesem Signor Prati, einem Antiquitätenhändler aus Malcesine, verfolgt? Und warum hat ihr Geliebter Antonio plötzlich keine Zeit mehr für sie?

Dieses Buch ist ein echter Geheimtipp für alle Freunde von humorvollen Regionalkrimis, die das gewisse Etwas und eine spritzige Erzählweise zu schätzen wissen. Es trägt angenehm zur Lesefreude bei dass die Autorin ihre Geschichte zwar gut durchdacht und kennerisch unterfüttert hat, sie bei alldem aber nicht allzu ernst nimmt. Dieses Buch soll unterhalten, nicht mehr und nicht weniger (auch wenn man nebenbei etwas über die Geschichte des Gardasees und die Typica dieser Region sowie über Musikgeschichte lernt).

Ein heiterer Sommerkrimi der so gut mundet wie ein Spritz mit Blick auf den Gardasee gepaart mit einer angenehmen Unterhaltung über Gott und die Welt.

Wie ich im Anhang sehe hat Roswitha Wildgans noch einige andere Krimis geschrieben die mit Musik zu tun haben bzw. mit Bayern. Der Emons-Verlag hat auch noch andere Regionalkrimis im Angebot, ich werde sie mal durchschauen.

 
Meine Ausgabe:
 
Verlag: emons:
Erscheinungsjahr der Ausgabe: 2011
Erstausgabe: 2011
Seiten: 171
ISBN: 978-3-89705-799-9