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Samstag, 23. August 2025

"Dopamin und Pseudoretten" von Varina Walenda


“Jemand hat mir mal gesagt, dass man die Erinnerung beim Erinnern jedes Mal verfälscht. Sie wird dann wie die Kopie einer Kopie immer verschwommener. Bis man sehr viel Fantasie braucht, um noch etwas zu erkennen.” (S. 7)

Die erste Hälfte von “Dopamin und Pseudoretten” hat richtig Spaß gemacht. Es geht um Janis, der auf dem Papier noch Jana heißt und mitten in der Transition steckt. Er ist 25, in einer Existenzkrise, hat keine Kohle und lebt als Exil-Schwabe in Berlin am Kotti (Kottbusser Tor) in einer WG mit zwei hetero-cis-Frauen. Sein erfolgreicher jüngerer Model-Bruder Marcel hat ihm einen Job als Assistent am Theater verschafft, wo er der Kostümbildnerin Irina zuarbeiten darf. Sie verlieben sich, aber die Beziehung entwickelt sich anders als erhofft.

Ich mag es, dass das Thema Transsein hier auf unverkrampfte und dennoch ernsthafte Weise besprochen wird. Außerdem fand ich die Kodderschnauze und unverblümte Art, die Jannis ausmachen, supi erfrischend. Allerdings muss ich sagen, dass das Ganze dann irgendwann gekippt ist - die Handlung sich mit einem mal zu konstruiert, zu schwer angefühlt hat. Ich habe dem Leichten, “Ungehobelten” der ersten Hälfte nachgetrauert. Es wird auch zunehmend “verworrener” - ich bin nicht mehr ganz durchgestiegen bei manchen Handlungssträngen, z.B. das mit Joachim Schmettau -  und die kurzen Kapitel fühlen sich trotzdem lang und etwas zäh an. Trotzdem hat mich das Ende dann emotional doch wieder abgeholt. Irgendwie schon ein kleiner Trip, dieses Buch und um Drogen und unterschiedliche Bewusstseinszustände geht es ja letztlich auch.

Ob die Roman-Klischee-Aussage “Irgendwo bellt ein Hund” (S. 64) bzw. 104 (“Irgendwo fängt ein Hund an zu bellen.”) - gegen Ende kläfft er dann auch nochmal -  ganz unironisch eingeworfen wurde oder schon Literatursatire ist, werde ich wohl nie erfahren.

Alles in allem interessant und mit Abstrichen lesenswert.

Mittwoch, 14. Februar 2024

"Book Love" von Debbie Tung


Heute ist Valentinstag und ich habe beschlossen, einen Beitrag zu der Form der Liebe zu machen, die uns alle vereint. Egal welche sexuelle Orientierung wir haben, ob wir Single sind oder seit Jahren vergeben, ob wir Kinder und Familie haben, die wir lieben oder nicht. Die Liebe zu Büchern ist uns - zumindest hier bei #bookstagram - allen gemeinsam. Wer Bücher liebt, kann sich einer lebenslangen “Love Story” sicher sein und zudem Hunderte von Liebesgeschichten hautnah mit erleben.

Debbie Tung hat in ihrer Graphic novel “Book Love” (auf Deutsch unter demselben Titel bei Loewe Graphix erschienen) dieser Liebe ein Gesicht gegegeben und zwar in Form einer jungen Frau (ich würde sie so um die zwanzig schätzen), die Bücher und natürlich auch das Lesen über alles liebt. Dieses Buch ist einfach bezaubernd und ein Must Read für jeden Bücherwurm, das man - ohne Störungen - in weniger als einer Stunde verschlungen haben dürfte. Tung zeigt uns Szenen im Leben eines “Book Lovers”, die uns allen bekannt vorkommen dürften. Sie zeigt, was Bücher mit uns machen, welche emotionale Verbindung wir zu ihnen aufbauen können und welche Dramen daraus erwachsen, wenn der Beziehung “Book Lover” und Buch von der Außenwelt Steine in den Weg gelegt werden. Zum Beispiel in Form des Discount-Sticker, der nicht abgehen will und später Kleberückstände auf dem Cover hinterlässt (I'm also talking about you, Spiegel Bestseller!). Oder wenn wir am Lesen gehindert werden durch irgendeinen “Real Life Stuff”. Die Comics zeigen, dass wir durch Bücher klüger werden und allenfalls finanziell ärmer. Dass Bibliotheken und Buchläden unser zweites Zuhause sind. Dass wir einem Nervenzusammenbruch nahe sind, wenn wir bezüglich des Inhalts eines Buchs gespoilert werden. Die Schwächen von uns Bücherwürmern werden liebevoll karikiert: Brauchen wir ein und dasselbe Buch wirklich in mehreren Ausgaben? Müssen wir ein ausgelesenes Bibliotheksbuch nach der Rückgabe wirklich kaufen, weil es uns so gut gefallen hat, nur damit es bei uns im Regal rumsteht? Lesen wir lieber als uns mit gesellschaftlichen Konventionen auseinanderzusetzen? Die Antwort auf all diese Fragen lautet natürlich: Ja, meistens schon.
Das schönste Geschenk für uns Bücherwürmer sind natürlich Bücher, aber über die geschenkten Blumen freuen wir uns natürlich auch: Wir machen daraus ein tolles Buchfoto für Social Media. Gut dass uns Debbie Tung auch Buchtipps gibt (“Some Amazing Books”). Eins meiner Lieblingsbücher ist gleich das erste oben links auf der Empfehlungsliste - noch ein Grund “Book Love” zu lieben!

Also ich bin - passend zum Valentinstag - ganz verliebt in dieses Büchlein, das sich wirklich in jeder Bibliothek gut macht und das man immer wieder zur Hand nehmen kann und will. Lesen und freuen!