Montag, 2. März 2026

"Böser, böser Wolf" von Alexandra Benedict


Metamäßig anstrengend


Ja, auch ich bin auf Alexandra Benedict reingefallen, die Autorin der von mir hoch geschätzten Weihnachtskrimis/Christmas Mysteries, die mir seit einigen Jahren jeden Dezember eine spannende Vorweihnachtszeit beschert. Zum ersten Mal ein Nicht-Weihnachtsbuch von ihr - das klang durchaus interessant. Und auch das Thema: Märchenmorde. 


Hierzulande gehört es für viele Eltern zum guten Ton, ihre Kinder unter dem Deckmantel der Kulturvermittlung schon früh mit literarischen Grausamkeiten zu konfrontieren. Das zentrale Horrorbuch, das sie ihnen dabei auftischen, nennt sich “Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm” und steht einem Horror-Klassiker von Stephen King in nichts nach - nur das der gemeinhin unter 5-Jährigen nicht vorgelesen wird. (Deutsche) Märchen sind grausam. Punkt. Es geht um Tod und Verstümmelung, um Giftmord und Aufschlitzen von Tieren und vieles mehr, das einem viele Stunden bei einer psychiatrischen Fachkraft einbringen könnte. Eigentlich auch für mich viel zu traumatisch, aber wegen der mir bekannten Autorin habe ich mir das Buch dennoch mit einiger Vorfreude geholt und dem Thema eine Chance gegeben. Nach einer sich viel zu lange hin ziehenden, zähen Lektüre eines verworrenen Plots, in dem sich die Autorin wie in einer klebrigen märchenhaften Bohnenranke verheddert hat, weiß ich es besser: es war ein Fehler dieses Buch auch nur aufschlagen. Es hat mich Lebenszeit und Nerven gekostet, die ich gerne anderweitig ausgegeben hätte.


Der Anfang war noch durchaus spannend und man fragte sich: wer ist dieser “Wolf” und Mörder und was hat es mit der Autorin auf sich, die die Geschichten bzw. wie Märchen inszenierten Morde schreiben soll, damit der Täter mit der Wolfsmaske sie ausführen kann. Auch die Ermittlerin, DI Lyla Rondell, war sympathisch und die Geschichte rund um ihre verschollene Jugendliebe bzw. Freundin Allison hatte durchaus Potential. Aber wie schon so viele andere geschrieben haben: irgendwann ist es gekippt. Von einem durchaus originellen Thriller mit Pageturner-Qualitäten zu einem mit Metabenenen überfrachteten Fantasy-Konstrukt, das mich ab einem gewissen Punkt überhaupt nicht mehr abgeholt hat. Zu anstrengend war es, dem Ganzen zu folgen - ich habe mehrfach Seiten überblättert. Hier wollte jemand ganz klar zu viel: besonders clever, besonders “anders”, besonders besonders sein. Aber unverständlich und spröde, überfrachtet und stellenweise unlesbar ist einfach nicht toll und deswegen muss ich leider abschließend sagen: 


Schuster: Bleib bei deinen Leisten!

Benedict: Bleib bei deinen Weihnachtskrimis!


Herzlichen Dank an vorablesen und Tropen Verlag für das Rezensionsexemplar!

 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.