Nein. Nein nein. Und nochmals: Nein! So haben wir nicht gewettet. Kann ich es bitte ungelesen, ungeschehen machen, dieses (hochnäsig betont) “Yesteryear” (ganz fein übersetzt von Dietlind Falk und Lisa Kögeböhn). Revision. Kann ich bitte einfach so tun, als hätte ich es nie gelesen? Nein? Na gut, dann soll es wenigstens raus aus meinem System und die beste Möglichkeit dies zu tun, ist, eine Rezension dazu zu schreiben.
Aber was soll ich dazu sagen? Echt? Es hätte in meiner “Lese-ich-NICHT”-Kategorie landen sollen. Warum musste ich ausgerechnet auf diesen Trend aufspringen? Du weißt doch, dass Hypebücher nichts für dich sind, Vicky!! Ja, ist ja gut, aber das klang so interessant: Mom-Influencerin fällt vom Insta-Millionenerfolg in ein selbstausgehobenes schwarzes Zeit-Loch, muss plötzlich wie die Pioniere im 19. Jahrhundert leben und überleben. Der schöne Schein zerbricht und so weiter und so fort.
Wie es so oft bei mir ist, hatte mich das Buch am Anfang relativ schnell an der Angel: Wow, diese Natalie Heller-Mills (so heißt die doch?) ist eine echte Bitch, eine Protagonistin, die man wunderbar hassen kann. Sowas mag man doch. Oder, oder??! Diese Arroganz gegenüber Andersendenken. Geht gar nicht! Diese abgrundtief ablehnenswerte weißamerikanisch-christliche-geldadelige-mid-western Rückständigkeit. Republikaner mit Stock im Allerwertesten und haufenweise Leichen im Poolfundament, neureiche MAGAs, Steuerhinterzieher - und *innen auch. Pfui, Spinne! Man kann sich so toll besser fühlen. Moralisch überlegen. Ach ist das herrlich, man sieht schon, wie sie in ihr Verderben rennt. Was die ihren Kindern und ihrem netten Ehemann da alles antut. Einfach grauenvoll.
Aber dann…Längen. Längen um Längen, Prärie der Längen. Dramen, die einer billig produzierten Vorabendserie in nichts nachstehen, außer vielleicht in puncto Unterhaltung. Ach Natalie, langsam wird es anstrengend dich zu hassen. Ich mag dich nicht, aber wann ist die Geschichte jetzt endlich aus und wohin führt das Ganze? Musst du wirklich nochmal deinen "Ladys" guten Morgen sagen? Deine Familie zu einem Reel nötigen?
Diese Zeitsprünge, diese Storyline: immer verworrener und ich fühle mich auf dem Walmart-Parkplatz im Auto von dir allein gelassen bei 30 Grad während du Selfies mit deinen ungeliebten Followerinnen und dem Bio-Rotkohl macht, den du an dich drückst. Warum verfärbt er nicht wenigstens dein reinweißes Leinenkleid? Why?…Daedalus, entlasse mich bitte aus diesem Labyrinth aus Worten und wirf mir einen roten Faden zu! Ich. Halte. Es. Nicht. Mehr. Aus!!
Nein, ich habe das Buch nicht abgebrochen, sondern tapfer durchgezogen. Es ist auch per se kein schlechtes Buch, nur es war halt nix für mich. Ich kann verstehen, warum es andere mögen, aber ich kann auch verstehen, warum ich es nicht mag. Es ist einfach zu bemüht, zu gewollt, zu sehr “auf Erfolg geschrieben”. Es fließt nicht, es beschreibt nicht schön, es ist vulgär und am Ende: habe ich nur Bahnhof verstanden. [Füge gedanklich ein: Schulterzuckender Obama-GIF]
Ich darf nicht spoilern, aber wie viele Kinder hat sie jetzt eigentlich im Ganzen bekommen? Und wieso ist sie jetzt so alt und vorher war sie noch jung und was ist dazwischen passiert und: häh?? I don’t get it. Klärt mich auf. Bitte! Das ist mir zu viel “Der Vorhang auf und alle Fragen offen.” Wobei - I don’t care anymore. Really, I don’t. Ich habe das Bedürfnis, “Yesteryear” im Garten zu vergraben, damit auf dem papierreichen Humus noch ein schönes Pflänzchen wächst. Wahrscheinlich stell ich es aber der Einfachheit halber - und um meinen Rücken zu schonen - in den nächsten Bücherschrank, damit ein anderer seine “Freude” (häh, häh, told you so) daran hat. Und wir tun einfach so, als hätte ich es nie gelesen. Okay?
“Yesteryear”? Also das würde ich niemals nicht lesen, weil…
Herzlichen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!

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