Mittwoch, 18. März 2026

"Bella Barks letztes Like" von Michael Buchinger

 



Nett, aber auch mehr ned


Ja ja, die lieben Influencer und ihre Buchveröffentlichungen. Seien wir doch mal ehrlich: hohe Reichweite ist heutzutage oft gleichbedeutend mit der Möglichkeit eines Buchvertrages, so influencer denn einen will. Aber die allermeisten wollen ihn. So auch Michi Buchinger aus Wien, einer der Influencer, die ich schon lange verfolge und auch mag, sonst hätte ich wohl kaum seine bereits vor einiger Zeit veröffentlichten Sachbücher über Dinge, die er nicht mag, gelesen. Ich schätze einfach seinen schrägen Humor, er hat mich tatsächlich schon oft zum Lachen gebracht. Auch dass er seine eigene Bubble - die der Influencer - aufs Korn nimmt, hat ihm bei mir schon einige Pluspunkte eingebracht. Er ist sehr transparent, sagt, dass er in seinem Job natürlich annimmt, was er bekommen kann und das macht ihn für mich sympathisch und menschlich. 


Genau diese ihm so gut bekannte Welt der Influencer bespricht er in seinem ersten Roman “Bella Barks letztes Like”. Hauptfigur Leo Escher ist bzw. war mal einer. Er hat es immerhin zu um die 50 000 Abonnenten auf YouTube geschafft, aber das war einmal. Leo und sein Kanal befinden sich auf dem absteigenden Ast, denn sein Content ist nicht mehr wirklich gefragt. Längst hat sich vieles auch auf Instagram und Tiktok verlagert und Leo überlegt, wie es mit Ende 20 jetzt für ihn weitergehen soll. Da flattert eine Einladung seiner ehemaligen Bekanntschaft, der Influencerin Isabella, genannt “Bella Barks”, bei ihm ins Haus. Er soll sie auf ein kostenloses “Barkend” begleiten in der österreichischen Provinz. “Barkend” weil Bella mittlerweile Dogfluencerin ist und ihren Content rund um ihre acht Vierbeiner und sonstige Hundethemen gestaltet. Das kommt beim Publikum gut an: mit über 1 Mio Followern gehört sie zu den bekanntesten Influencer:innen Österreichs. Doch als Bella am ersten Tag des Wochenendes tot umfällt, nachdem sie einen von ihr kreierten, auch für Menschen geeigneten, Bella Bite-Hundekeks gegegessen hat, wird Leo plötzlich zum Ermittler in der Welt des schönen Internet-Scheins…


Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich mir ein humorvolles Cosy-Crime-Erlebnis mit typisch buchingerischem Humor erkaufen wollte. Teilweise wurde das auch erfüllt, aber leider nur teilweise eben. Ja, es war witzig, aber nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Es war harmloser und weniger eckig/kantig. Buchinger light würde ich sagen. Ziegenyoga hin oder her - da hätte man noch einige Lacher rausholen können, das ganze Setting und Personal war perfekt dafür. Vom Krimiaspekt her aber muss ich sagen, dass es durchaus spannend war. Ich wäre nicht auf die mordende Person gekommen, obwohl es im Nachhinein eigentlich offensichtlich ist - es ist immer derjenige, der…aber lassen wir das, vielleicht wollt ihr es ja auch noch lesen. Alles in allem ein schöner kleiner Influencer-Krimi für zwischendurch.


Montag, 2. März 2026

"Böser, böser Wolf" von Alexandra Benedict


Metamäßig anstrengend


Ja, auch ich bin auf Alexandra Benedict reingefallen, die Autorin der von mir hoch geschätzten Weihnachtskrimis/Christmas Mysteries, die mir seit einigen Jahren jeden Dezember eine spannende Vorweihnachtszeit beschert. Zum ersten Mal ein Nicht-Weihnachtsbuch von ihr - das klang durchaus interessant. Und auch das Thema: Märchenmorde. 


Hierzulande gehört es für viele Eltern zum guten Ton, ihre Kinder unter dem Deckmantel der Kulturvermittlung schon früh mit literarischen Grausamkeiten zu konfrontieren. Das zentrale Horrorbuch, das sie ihnen dabei auftischen, nennt sich “Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm” und steht einem Horror-Klassiker von Stephen King in nichts nach - nur das der gemeinhin unter 5-Jährigen nicht vorgelesen wird. (Deutsche) Märchen sind grausam. Punkt. Es geht um Tod und Verstümmelung, um Giftmord und Aufschlitzen von Tieren und vieles mehr, das einem viele Stunden bei einer psychiatrischen Fachkraft einbringen könnte. Eigentlich auch für mich viel zu traumatisch, aber wegen der mir bekannten Autorin habe ich mir das Buch dennoch mit einiger Vorfreude geholt und dem Thema eine Chance gegeben. Nach einer sich viel zu lange hin ziehenden, zähen Lektüre eines verworrenen Plots, in dem sich die Autorin wie in einer klebrigen märchenhaften Bohnenranke verheddert hat, weiß ich es besser: es war ein Fehler dieses Buch auch nur aufschlagen. Es hat mich Lebenszeit und Nerven gekostet, die ich gerne anderweitig ausgegeben hätte.


Der Anfang war noch durchaus spannend und man fragte sich: wer ist dieser “Wolf” und Mörder und was hat es mit der Autorin auf sich, die die Geschichten bzw. wie Märchen inszenierten Morde schreiben soll, damit der Täter mit der Wolfsmaske sie ausführen kann. Auch die Ermittlerin, DI Lyla Rondell, war sympathisch und die Geschichte rund um ihre verschollene Jugendliebe bzw. Freundin Allison hatte durchaus Potential. Aber wie schon so viele andere geschrieben haben: irgendwann ist es gekippt. Von einem durchaus originellen Thriller mit Pageturner-Qualitäten zu einem mit Metabenenen überfrachteten Fantasy-Konstrukt, das mich ab einem gewissen Punkt überhaupt nicht mehr abgeholt hat. Zu anstrengend war es, dem Ganzen zu folgen - ich habe mehrfach Seiten überblättert. Hier wollte jemand ganz klar zu viel: besonders clever, besonders “anders”, besonders besonders sein. Aber unverständlich und spröde, überfrachtet und stellenweise unlesbar ist einfach nicht toll und deswegen muss ich leider abschließend sagen: 


Schuster: Bleib bei deinen Leisten!

Benedict: Bleib bei deinen Weihnachtskrimis!


Herzlichen Dank an vorablesen und Tropen Verlag für das Rezensionsexemplar!