Häschtäg Allgäu
Also vor Jahren hätten wir “Kluftingerianer/innen” uns das niemals träumen lassen, dass unser Allgäuer Lieblingskommissar, On-Off-Freind von Dr. Langhammer und Ex-Polizeipräsident irgendwann bei Instagram ist und sich dort sogar halbwegs auskennt. Vorbei die Zeiten, als er noch hilflos auf seinem Tastenhandy rumgedrückt hat - er ist jetzt fast schon so sicher im Umgang mit den neuen Medien wie ein “Digital Native”. Er bekommt aber auch Unterstützung und virale Inspiration von allen Seiten: sein Kollege Richard Meier, der die Herren vom Cybercrime ob ihrer scheinbaren Omnipräsenz kritisch beäugt, ist jetzt Social-Media-Beauftragter der Kemptener Kripo. Und derzeit ist auch noch die Schwester von Kluftingers Schwiegertochter Yumiko zu Besuch, die immerhin 8000 Follower hat. Aber warum ist das im neuesten Fall “Blendwerk” überhaupt so wichtig? Weil bei einem kluftingerischen Familienausflug mit ebendieser “Schwiegerdings” zum Allgäuer Eistobel - wo eine Szene einer total hippen Serie aus Korea gedreht wurde - eine Allgäu-Influencerin namens tot aufgefunden wird - natürlich vom Kommissar und seiner Familie höchstselbst, wie könnte es anders sein?
Dieser Band spielt im Herbst, rund um Halloween und dementsprechend gibt es auch ein paar lustige Szenen bezüglich des von Kluftinger kritisch beäugten, in seinen Augen amerikanisierten heidnischen Festes. Gerade diese fand ich gelungen, sie haben mir aber leider keine wirklichen Lachkrämpfe entlocken können wie z.B. die “Wäscheszene” aus “Funkenmord” das geschafft hat. Aber sei's drum. Vom Aufeinandertreffen der Regionalgiganten Kommissar Kluftinger vs. Arzt und Alltagsphilosoph Dr. Langhammer im Altusrieder Gemeinderat habe ich mir rein komödiantisch natürlich auch eines erhofft, aber das war leider auch ein bisschen zu zahm für meinen Geschmack. Wurde nicht im Verlauf der Handlung versprochen, dass sie eine Klausurtagung abhalten, wo sie dann vielleicht zusammen im Stockbett übernachten müssen. Naja, vielleicht kommt das im nächsten Klufti. Und noch einiges andere mehr, hoffe ich.
Nun zum Fall mit der Influencerin. Hier hat das Autorenduo wieder ganze Arbeit geleistet. Er war spannend, ungewöhlich in der Auflösung und nahm genau den richtigen Platz zwischen Kluftis Heißhunger, seiner Verwunderung über Social Media und den sonstigen Auswüchsen der Kommissar-Handlung ein. Klar, es werden wie immer ein paar Verdächtige eingeführt, die einfach zu “verdächtig” sind, als dass sie es hätten gewesen sein können. Fair enough. Ich war über die Auflösung trotzdem überrascht, hätte allerdings ein anderes Motiv erwartet.
Was soll ich sagen: es war ein solider “Klufti”, ohne große Höhen und Tiefen. Sehr lesenswert und für die Fans natürlich ein absolutes Muss. Hefele hat mich ein bisschen genervt, aber das ist nichts Neues. Auch die Sache mit Miyako war ein wenig drüber. Ein bisschen awkward, vielleicht sogar cringe. Aber lest unbedingt selber, dann werdet ihr verstehen, was ich meine. 4 von 5 Sternen.
Herzlichen Dank an Ullstein für das Rezensionsexemplar!
