Mittwoch, 9. September 2026

"Abfahrt ins Jenseits" von Salvatore Simonetti

 


Italienische Mamma ermittelt verdeckt


Eine “Cosy-Crime-Phase” hatte ich in der Vergangenheit immer mal wieder. Lustige und spannende Plots zum Abschalten - das tut schon mal gut. Vor allem im Urlaub greife ich gerne zu Krimis und wenn sie dann auch noch im besuchten Urlaubsland spielen - umso besser. Da es wie so oft nach Italien ging - ich bin auch gerade tatsächlich dort - kam mir der im August 2026 erschienene Krimi “Abfahrt ins Jenseits” von Salvatore Simonetti (Pseudonym) gerade recht.

Er stammt aus dem ersten Belletristik-Programm des bisherigen Sachbuch-Verlags EMF. Ein gestreifter Farbschnitt in den Farben der italienischen Flagge macht das Leseerlebnis besonders - “apart”, möchte ich sagen.


Wir alle kennen sie: die älteren Damen der Krimiliteratur, die Mordfälle lösen. Auch in diesem Fall ist die Protagonistin und gleichzeitig ermittelnde Instanz in Personalunion eine Dame um die 60 namens Marcella. Nachdem sie nach vielen Jahren in Deutschland, genauer gesagt Stuttgart-Untertürkheim, in ihr ligurisches Heimatdorf Dolceacqua zurückkehrt, ist eigentlich alles tutto bene. Sie lebt über dem Eiscafé ihrer Eltern, das mittlerweile von dem sympathischen Männerpärchen Dino und Gino betrieben wird. Ihr unterhaltsamer Untermieter Harry ist ein lässiger Alt-Hippie und Gelegenheitsmaler, Sohn Domenico, der in Deutschland geboren wurde, ist 34 und bei der örtlichen Polizei. Als plötzlich mehrere Altersgenossen und Altersgenossinnen aus ihrem Bekanntenkreis das Zeitliche segnen und ihr Sohn die aufgemotzte Influencerin Romina anschleppt, ist plötzlich doch nicht mehr alles “tutto bene”. Da ihr Polizistensohn die rosarote Brille aufhat, muss Marcella den Fall mit Hilfe von Dino, Gino und Harry lösen - und am Ende ganz alleine ihre Frau stehen.


Die Idee, eine italienische “Mamma”, die natürlich fabelhaft gut kochen kann, zur Ermittlerin zu machen, ist wirklich mal erfrischend anders. Ich habe oft sehr geschmunzelt, weil die Situationskomik hier echt gekonnt angewandt wurde. Manchmal haben mich die witzigen Begebenheiten des Plots an Louis-de Funès-Filme erinnert, die ja auch im ländlichen Milieu spielen oder an “Don Camillo & Peppone” - nur halt mit Smartphone und MacBook.


Natürlich ist es perfekt, den Krimi in Italien zu lesen, auch wenn ich derzeit im Veneto und nicht in Ligurien bin. Man lernt sehr viel über die dortigen Gepflogenheiten, die Spezifika der Touristen und die Nachbarn aus dem reichen Monaco, die in der Marina von Ventimiglia ihre Yachten parken. Dass die Mafia vorkommt, ist bei einem italienischen Cosy Crime fast schon ein Muss. Ihr werdet schreien, wenn ihr rausfindet, warum das Buch “Abfahrt ins Jenseits” heißt - wo doch gar keine Skipiste vorkommt und der Roman im Frühsommer an der italienischen Küste spielt.


Es kommen einige italienische Ausdrücke vor, die gleich nach dem Wort auf Deutsch übersetzt werden. Das stört den Lesefluss ein wenig und wirkt unnatürlich. Im Zweifel kann man ja einfach googeln. Den ein oder anderen Tippfehler durfte ich auch behalten, aber sonst habe ich eigentlich keine Kritik. Also alles "tutto bene", wirklich. Ich will mich echt nicht mit Mamma Marcella anlegen...


Ein wirklich lustiger Krimi, für den Urlaub oder einfach zwischendurch. Hab ich gerne gelesen. 


Herzlichen Dank an den EMF-Verlag sowie ehrlich&anders für das Rezensionsexemplar!


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